Alpencross Zillertal: 7. über den Brenner nach Hause

vom Brenner nach Innsbruck

 Nachtstimmung mit Regen in Innsbruck

 

 

Technische Daten:

Länge:     122 km
Höhe:      10 Hm
Dauer:     7:50 h 

Wetter: 
Strecke: ♦♦♦
Level:   

Highlights:

  • Abfahrt vom Brenner

Über den Brenner nach Innsbruck

Teil I. Unsere feudale Unterkunft in Meran konnte sich sehen lassen. Eine alte Villa, die erstklassig hergerichtet wurde und für drei Mountainbiker vom Bodensee mit wunderschönem Parkett und Stuckdecken den Abschluß einer wieder grandiosen Alpencross-Tour versüßte. Wir sind am Abend noch in Meran etwas durch die Innenstadt gelaufen, aßen in einer Pizzeria das gewohnte Gericht und ließen den Abend lange und gemütlich auf unserem kleinen, aber äußerst gemütlichen Balkon ausklingen. So ein Balkon, mit Blick über einen bestens gepflegten Garten, so wie das hier eine Pflichtübung zu sein scheint, ist im Sommer schon eine feine Sache. Wir fühlten uns sehr wohl.

 

Den Stil des fürstlich wirkenden Domizils auf allen Ebenen haltend, wurden wir in einen vornehm eingerichteten Frühstücksraum geführt. Alle Wünsche eines mehr als glücklich empfundenen Frühstückserlebnisses wurden anstandslos erfüllt. In dieser angenehmen Atmosphäre könnte man hier das Frühstück leicht bis in den Nachmittag ausklingen lassen, um dann eine kleine Pause einzulegen. Aber unser Zug, der uns heute wieder nach hause bringen soll, kennt keine Rücksicht auf unsere Vorlieben und so packen wir die Sachen, zahlen brav die gewünschten 280 Euro für die Nacht und radeln langsam los zum Bahnhof. Wir haben ja noch Zeit bis der Zug kommt, viel Zeit, wie wir sehen werden. 

Teil II. Das Bahnhofsgebäude ist von einer nicht minder fürstlichen Bauweise, aber der Zugverkehr scheint eher einen anderen Lebensstil zu führen. Wir müssen feststellen, dass unser Zug wohl einen Defekt erlitten haben muß, denn die Fahrt wird kurzerhand gestrichen. Das ist für uns kein großes Problem, da wir ausreichend Zeit haben, bis zum Abend wieder am Bodensee zu sein. Soweit ist die Entfernung ja nun auch nicht und so gehen wir wieder aus dem Gebäude, um im nahe gelegenen Park uns eine Sitzbank für die nächste Stunde zu suchen. Die Zeit verbringen wir mit den Dingen, die man immer so tut, wenn man nichts zu tun hat: wir laufen ein bischen herum und ... warten. 

 

Die Zeit des Wartens ist nun abgelaufen und wir freuen uns, dass wir jetzt unsere Räder und uns in den nächsten Zug befördern und los fahren können. Aber bei erneuter Ankunft im Bahnhofsgebäude müssen wir feststellen, dass unser nächster Zug einfach ersatzlos gestrichen wurde. Keine Erklärung, kein Zug, aber dafür wieder erneutes warten und auf die nächste Verbindung hoffen. Wir hoffen, dass die dann nicht aus Spaß ausfällt. Wir gehen wieder nach draußen in unser vertraut gewordenes Umfeld und wählen zur Abwechslung eine andere Parkbank aus. Ich weiß nicht, was wir in der unendlichen Wartezeit angestellt haben, aber irgendwann bewegten sich die Zeiger an der Bahnhofsuhr widerwillig vorwärts und wir gingen wieder in den Bahnhof hinein.

Tourenbilder 1:

endloses Warten in Meran

unser Job - warten

 

Am Brenner angekommen

wir sind schon mal am Brenner

 

Teil III. Diesmal hatten wir Glück und konnten den nächsten Zug Richtung Brenner oder Brennero, wie das auf italienisch heißt, nehmen. Im Zug gab es dann noch eine kleine Irritation mit den Fahrscheinen, da wir diese nicht am Bahnhof abstempeln ließen. Der Schaffner fuchtelte mit unseren Karten gestikulierend in der Gegend herum, beließ es aber dabei, uns irgendwie weiter bestrafen zu wollen. Die Fahrt von Meran zum Brenner ist landschaftlich sehr schön. Immer wieder gibt es einladende Blicke auf Städte, Berge und Felder. 

 

Im Zug erfuhren wir durch Zufall, dass die Weiterfahrt vom Brenner nach Innsbruck mit einer langen Wartezeit verbunden ist. Rennradler und Mountainbiker, die wie wir mit dem Zug fuhren, haben daher ihr Gefährt bei der Ankunft aus dem Zug genommen und sind bis Innsbruck mit dem Rad dann weiter gefahren. Uns kam gar nicht in den Sinn, dass wir ja diesmal komfortabel mit dem Zug auf einen Pass hoch gefahren sind und nun die Möglichkeit nutzen können, komfortabel mit dem MTB den Pass auch wieder runterfahren können. 

Teil IV. So entschieden wir denn auch, die letzten vierzig Kilometer vom Brennerpass nach Innsbruck mit dem Mountainbike runter zu fahren. Wie gut, dass andere Radfahrer in unserem Abteil saßen und wir uns endlich mal Wartezeit auf den nächsten Zug gespart haben. Beim Ausstieg aus dem Zug hielt sich unsere Freude über das schnelle Vorwärtskommen allerdings in Grenzen. Wolken, die so grau waren, wie alle Farben eines Malkastens miteinander verrührt und dazu ein leicht einsetzender Nieselregen. 

 

Immerhin ist ja schon unser Ziel vor Augen und das motivierte uns letztendlich, uns auf die Sättel zu schwingen und die Abfahrt vom Brenner ins Tal zu starten. Die Straße führt kurvenreich den Berg hinunter. Wenn anfänglich noch einige kleinere Ortschaften wie Venn, Gries oder Steinach zu durchfahren sind, wird irgendwann die Strecke nur noch von langgezogenen Serpentinen bestimmt, die sich an der Sill entlang schlängern. In nicht einmal einer Stunde Fahrzeit erreichen wir den Ortseingang von Innsbruck und erreichen auch bald den Bahnhof.

Tourenbilder 2:

schlechtes Wetter am Brenner

bereit für die Abfahrt vom Brenner

 

unser Zimmer in Innsbruck

unser Zimmer in Innsbruck

 

Teil V. Unterwegs hat es kräftig angefangen zu regnen und wir sind trotz unserer Regenkleidung bis auf die Knochen durchnässt (was bei mir noch nie anders war, seitdem ich Regenkleidung auf dem Fahrrad trage). Am Bahnhof erfahren wir dann, dass heute leider kein Zug mehr uns und unsere Räder mitnehmen kann, obwohl es erst noch früher Nachmittag ist. Die Lösung sieht dann so aus, dass Stephan und ich am nächsten Morgen gleich um 6 Uhr und Edi um 9 Uhr mit dem Zug fahren können, zusammen ist das anscheinend nicht mehr möglich.

 

Auch wenn es kein schöner Abschied unserer gemeinsamen Tour ist, nehmen wir den Vorschlag an und kaufen die Zugtickets. Wir suchen uns für die Nacht eine Pension im Zentrum von Innsbruck und können unsere Räder sogar im winzig kleinen Keller über Nacht dort stapeln. Gegen Abend lassen die Schauer nach und nachdem wir uns in unserem neuen Palais etwas eingelebt haben, machen wir uns auf den Weg in der Stadt etwas Essbares zu finden. Die Auswahl ist nicht klein und so wählen wir ein rustikal wirkendes Gasthaus und bestellen drei reichliche Portionen Abendessen und ein ordentliches Bier dazu. Wir müssen ja heute nicht mehr Rad fahren.

Teil VI. Die Nacht ist schnell vorüber, zumindest für Stephan und mich. Um 6 Uhr müssen wir den Zug bekommen und daher ist heute nichts mit Frühstück und gemächlichem Packen der Sachen. Die Nacht in Innsbruck war nicht eingeplant, umso mehr sind wir froh, wenn wir heute etwas mehr Glück haben sollten und den Bodensee und zuletzt unser Zuhause in Konstanz wieder erreichen. Der Zug ist pünktlich und wir laden unsere Räder flugs in das Fahrradabteil ein. Die Fahrt geht los und wir fahren über teils bekannte Stationen mit dem Zug bis Bregenz.

 

In Bregenz erwartet uns ein richtiges Schmuddelwetter und wir entschließen uns trotzdem, den Rest der Strecke von Bregenz nach Konstanz mit dem MTB zurück zu fahren. Schließlich ist das erst einmal unsere letzte größere Radetappe für dieses Jahr. Wir denken an Edi und wünschen ihm auch soviel Glück, dass er heil und zeitig wieder zurück kommt. Es fällt ein leichter Regen, aber die Temperaturen sind angenehm. Wir fahren an der Seebühne vorbei auf den Bodensee-Radweg und dieser ist unser treuer Begleiter über mehrere Stunden, bis wir wieder zuhause ankommen. Die Tour ins Zillertal ist zu Ende. 

Tourenbilder 3:

Stephan und Uwe im Zug nach Bregenz

die Rückfahrt nach Bregenz

 

am Steg in Bregenz

in Bregenz an der Bühne