4. Avers Juf

 

Panorama bei avers-juf

auf dem Weg nach Avers-Juf

 

 

Streckenprofil:

Länge:     43 km
Höhe:      1680 Hm
Dauer:     7:40 h 

Wetter: 
Strecke: ♦♦♦
Level:    ♦♦♦♦

Highlights:

  • kein Schnee in Avers-Juf

Avers-Juf - eine alpin gelegene Siedlung

Teil I. Der gemütliche Ausklang des Vorabends in einer Pizzeria in Thusis ließ ausreichend Raum zur fachlichen Diskussion über den plötzlichen Ventiltod nicht unseres Radkollegens, sondern seines Hinterrades. Wir haben kein Ergebnis ermittelt, dass hinreichend eine Erläuterung auf das Geschehene gibt und somit haben wir das Thema dann erstmal abgehakt.

 

Abgehakt nicht ganz, denn am kommenden Morgen sind wir sicherheitshalber mit dem MTB in eine Fahrradwerkstatt vor Ort eingekehrt und haben den Fall geschildert. Das Vorderrad wurde nochmal zerlegt und Felgenband erneuert, sowie alle Möglichkeiten eines bösen Gegenstandes im Mantelbereich untersucht. Gefunden haben wir nichts. Nun denn, heute geht es eh bergauf, da brauchen wir uns erst einmal keine großen Gedanken zu machen. 

Teil II. Ab Thusis gilt für alle Fahrzeuge in Richtung Süden nur eine Fahrtrichtung: bergauf. Wir durchfahren ab Thusis eine Reihe von Tunnel und gelangen direkt auf die alte Verkehrsverbindung der Via Mala. Das ist eine besonders schöne Straßenführung, wenn auch sehr kurvenreich, immer in einer Schlucht entlang mit Blick auf tolle Wasserläufe.

 

Für Fahrradfahrer gibt es ab Ende der Via Mala bis Andeer einen richtig großzügig ausgebauten Radweg, der teils mit aufwändigen Holzbrückenkonstruktionen Schweizer Meisterarbeit präsentiert. Leider ist das heutige Genußradeln wieder unter dunklen Wolken verborgen, schon bereits nach Fahrtantritt ergraut der Himmel über uns und in der Via Mala ist Regenkleidung angesagt. Einen kurzen Hoffnungsschimmer bekommen wir in dem wunderschönen Ort Andeer, der Himmel reißt kurzzeitig auf.

Tourenbilder 1:

 

 
in der via mala

es geht durch die Via Mala

 

 

 
Edi im Tunnel

in den Time Tunnel geraten

 

Teil III. Andeer ist der letzte gemütliche Ort, bevor es heißt, die Oberscheinkel auf kontinuierliche Kletterarbeit einzustellen. Das Rätoromanische zeigt sich im Ort noch deutlich, auch wenn es zunehmend weniger wird: so ist auch für den Nicht-Sprachbegabten das Ladenschild "Metzga" in Landessprache durchaus verständlich, auch wenn es nicht dem Hochdeutschen entliehen ist.

 

Vor der Rofflaschlucht geraten wir in eine Schweizer Manöverübung der Armee. Es wird quer Beet mit irgendwas geschossen, wir kommen aber nach kurzer Zeit ohne Blessuren aus dieser heikel anmutenden Situation heraus und erfreuen uns an dem schönen Anblick des glasklaren Wassers, das dem in der Schlucht fließenden Rheins gehört.

Teil IV. Nahe der Rofflaschlucht werden auch entscheidende Weichen für zwei mögliche Weiterfahrten gestellt: Die Wahl ist zu treffen zwischen Aufstieg Richtung Splügenpass und San Bernadino über zwei Straßenvarianten oder der Entscheidung, auf der nun fast 30 Kilometer langen Sackgasse bis zum letzten erreichbaren Ort Avers-Juf zu kommen.

 

Unseren Mountainbikes ist es egal, wohin wir fahren, denn es geht sowieso nur noch bergauf und unser nächstes Ziel ist Ausserferrera, ein kleiner Ort im Nirgendwo. Die Strecke auf der asphaltierten Straße ist sehr schön, hat etwas von der Naturromantik eines Naturreservates. Der Autoverkehr ist rapide zurück gegangen, denn ab jetzt gibt es nur noch den Weg auf der endlosen Sackgasse.

Tourenbilder 2:

 

 
auf dem Radweg in der Schweiz

kurze Pause bei Ausserferrera

 

 

 
siedlung auf der MTB-tour

kleinere Ortschaft bei Innerferrera

 

Teil V. Der Regen wird zusehends stärker und mit ansteigenden Höhenmetern, spüren wir auch die Kälte, die sich unter unsere Gummihaut schon seit längerem breit gemacht hat. Der letztere größere Ort vor dem Nichts ist Innerferrera, er wirkt verlassen und einsam. Keine Menschenseele ist weit und breit zu sehen, aber bei diesem Hundewetter gibt es auch keinen Grund, Freude strahlend irgendwelche Mountainbiker begrüßen zu müssen.

 

Die Steigung scheint einfach nicht aufhören zu wollen. Zu der schon kalten und unwirtlichen Wetterlage bläst uns jetzt auch noch ein Wind direkt von vorne ins Gesicht, als wolle er uns von unserem Ziel mit Gewalt zurück pusten oder auf jeden Fall fern halten. Wir radeln jetzt immer wieder im Wechsel vorne und im Windschatten auf der Zielgeraden bis nach Juf durch. Eine andere Möglichkeit bleibt uns auch nicht, da es hier keine Alternativen zum Bleiben gibt.

Teil VI. Irgendwann kommen wir in Avers-Juf letztendlich an und arretieren unseren Blick auf jedes Gebäude, das nach einer Unterkunft aussieht. Ziemlich am Ende des überschaubaren Ortes treffen wir auf eine Pension und haben das große Glück, noch ein Zimmer zu bekommen. Juf verdient seinen Namen als anscheinend einzig höchstgelegene und ganzjährig bewohnte Siedlung in der Schweiz und wird daher öfter deshalb von Gästen besucht.

 

Ein Traum wird wahr: die Zimmer haben Heizungen und wir können unsere durchgefrorenen Knochen wieder auftauen, welch ein Segen und was für ein Geschenk! Am Abend gehen wir in den recht urigen Restaurant- und Kneipenbereich. Wir bekommen eine äußerst üppige Portion Zürcher Geschnetzeltes und die Wirtin ist alles andere als geizig bei den Portionen. Mit der Probe des hier ausgeschenkten Calanda-Bieres findet auch dieser Tag wieder ein friedliches Ende und glückliche Biker.

Tourenbilder 3:

 

 
pension in avers-juf

eine Unterkunft in Avers-Juf gefunden

 

 

 
abends beim biertrinken

Besprechung der Tourensituation