Alpencross Gardasee : 2. Schlappiner Joch

Landschaft auf dem Schlappiner Joch

 

Landschaft auf dem Schlappiner Joch (Österreich/Schweiz)

Streckenprofil:

Länge:     60 km, 
Höhe:      1250 Hm, 
Dauer:     6:00 h,  

Wetter: 
Strecke: ♦♦♦ 
Level:    ♦♦♦♦

Highlights:

  • bei gutem Wetter schöner Blick in die Schweiz vom Schlappiner Joch
  • Die Ebene des Bodensee-Radweges und Rheintal hinter uns gelassen

Von Nüziders nach Klosters über das Schlappiner Joch

Teil I. Es muss so gegen 7:30 Uhr gewesen sein, als es uns bewusst wurde, auf einer Mountainbike-Tour über die Alpen zu sein. Bis jetzt haben wir zwar noch keine Alpen unter den Füßen, aber das wird sich noch ändern und für eine längere Zeit, als wir es uns vorstellen können. So richtig fit fühlen wir uns nach dem ersten Tag nicht, mental schieben wir das aufs Wetter und die Rucksäcke.

 

Die gut 7 Kilogramm Gepäck kleben uns auf dem Rücken wie einer Schildkröte der Panzer. Das Rucksacktragen ist noch recht ungewohnt, aber statt über Rückenschmerzen zu klagen, wird uns bewusst, dass das eigentliche Problem viel tiefer liegt: wie nach einer Rutschpartie auf einem Stück Schmirgelpapier fühlt es sich zwischen den Beinen an. In den schönen Prospekten der Hersteller von Rucksäcken wird kein Wort drüber verloren, dass das Befüllen mit Utensilien Folgen haben kann. Vielleicht gewöhnen wir uns ja von heute an das neue Gefühl...

Teil II. Das Frühstück im gemütlichen Speisesaal des Hotels ist prima und am liebsten würden wir auch noch bleiben. Da wir aber schon ganz gespannt sind wie kleine Kinder auf neues Spielzeug, freuen wir uns auf unseren ersten alpinen Berg, packen zusammen, bezahlen und holen unsere Mountainbikes aus der Hotelgarage. Da sie nicht geklaut wurden, müssen wir also fahren.

 

Heute ist uns der Wettergott gnädig und die gestrige Tagesdusche ist vergessen. Die Sonne quält sich noch zaghaft durch die kräftigen Wolkenpolster hindurch, aber nach Regen sieht es nicht mehr aus. Eine ähnliche Quälerei werden die ersten Kilometer auf dem MTB. Sicher, vor der Tour haben wir alle fleißig einige Übungsrunden auf dem heimatlichen Bodanrück geübt, aber die gestrige Tour liegt uns mächtig in den Knochen. Um Muskelkater wahr zu nehmen, fehlt uns aber die Zeit.

 

 
MTBs vor dem Supermarkt

Erstmal Mittagessen kaufen

 

 

 
Nebel im Tal Gargellen

besser Nebel als Regen am Schlappiner Joch

 

Von Sankt Gallenkirch auf das Schlappiner Joch hinauf

Teil III. Es ist ein herrliches Gefühl, wenn man wieder ohne den Strampelanzug radeln kann. Gemeint sind die Regenhose- und Jacke, die uns gestern wie ein Gummiband die Beine beim Kurbeln der Pedalen hoch- und runter zogen. Ein leichtes Gefühl von neuer Freiheit kommt auf und nach den ersten Kilometern werden wir immer wacher und kommen langsam in unseren Rythmus hinein. 

 

Obwohl wir keine großen Trainingsrunden zusammen gefahren sind, passt die Chemie beim Radeln hervorragend. An Sankt Anton im Montafon vorbei, arbeiten wir uns auf der Asphaltstraße bis Sankt Gallenkirch vor. Hier beginnt eine schmale Straße, die uns noch bis Gargellen weiterführt, um uns dann den Wander- und Feldwegen zu überlassen.

Teil IV. Das erste Mal müssen wir nun überlegen, wie wir die kommenden Höhenmeter bis zum Schlappiner Joch nun überwinden. Auf den ersten Metern ist ein Fahren noch gut möglich, aber irgendwann beginnen die ersten verblockten Wege sich anzukündigen und wir müssen vom Rad steigen. Ab jetzt heißt es die restlichen 300 Höhenmeter irgendwie das MTB da hinauf zu bekommen. 

 

Ganz so hatten wir uns das nicht vorgestellt, schließlich habe ich einige Euros für ein schön bebildertes Buch mit diversen Alpencross-Touren ausgegeben. Da scheint dann doch meine Erwartungshaltung für eine komfortablere Mountainbike-Tour zu hoch gewesen zu sein. Nun denn, wir wissen jetzt, dass ein Alpencross auch mit körperlichem Einsatz nicht nur für die Beine, sondern auch für das eigene Rad eingeplant werden muß. 

 

 
Aufstieg zum Schlappiner Joch

heute geht es bergauf

 

 

 
auf dem Gipfel vom Joch

Gipfelkreuz am Schlappiner Joch erreicht 

 

Nach Klosters im Kanton Graubünden

Teil V. Die Höhenmeter scheinen nicht weniger zu werden. Wir beschließen hin und wieder eine kleine Pause zu machen, da wir nicht wissen, wieviel Puste wir noch brauchen werden. Zum Glück sind wir gut versorgt und in den Alpen besteht keine so große Gefahr, dass man verhungern muss, weil ewig kein Dorf kommt. 

 

Mit  unermüdlich kleinen Schritten kommen wir Meter für Meter vorwärts. Die Schwierigkeit in diesem Gelände liegt einfach darin, dass es kleine Furchen und Gräben in unserer Spur gibt, so dass man mit seinem Mountainbike immer wieder unliebsame Begegnung mit der Pedale bekommt. Wie ein windiges Kind springt die Pedale nach Kontakt mit der Spur mal vor und wieder zurück. Rücksicht auf irgendwelche zarten Waden wird dabei nicht genommen. 

Teil VI.  Am Schlappiner Joch angekommen geloben wir uns den Erfolg mit einer Brotzeit und halten das Erlebte auf unzähligen Bildern fest. Ein unglaublicher Blick auf einen riesigen Wolkenballon tut sich vor unseren Augen auf. Vor uns liegt unter dieser Monsterwolke also die Schweiz und wir werden uns ihr gleich nähern.

 

Leider ist die Freude auf einen zügigen Downhill getrübt, denn wir müssen wieder eine ganze Weile unser Rad schieben, da der Abstieg anfänglich unwegsam ist. Doch wir erreichen nach einer guten Dreiviertelstunde einen Wirtschaftsweg, der uns bis Klosters in Windeseile hinunterführt. Ein Hotel finden wir sofort und beim späteren Bestellen unserer eher bescheiden ausgefallenen Spahetti-Bolognese-Portion bringt uns der Kellner gnädigerweise noch mal Soßennachschlag. Serviert wurde lauwarmes Hefeweizenbier, das fand Edi gar nicht witzig.  

 

 
nebel am schlappiner joch

und durch den Nebel abwärts

 

 

 
Pause zwischendurch nach Aufstieg Schlappin

Pause auf der Abfahrt nach Klosters

 

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