Alpencross Zillertal: 3. der Schrofenpass

Impressionen auf dem Weg zum Schrofenpass:

Panorama bei Warth vor dem Aufbruch

 

Morgenstimmung in Warth

 

 

Technische Daten:

Länge:     64 km
Höhe:      1580 Hm
Dauer:     7:50 h 

Wetter:  ♦♦♦♦♦
Strecke: ♦♦♦♦ 
Level:    ♦♦♦♦♦

Highlights:

  • schönes Wetter am Schrofenpass
  • den Älplesattel gemeistert

Alpencross von Warth nach Oberstdorf:

Teil I. Wer mit seinem Mountainbike einen Bergpass bei widrigen Umständen erobert hat, freut sich über das gelungene Vorhaben und kann noch lange von dem heldenhaften Erlebnis zehren. Ähnlich ergeht es einem, wenn ein heldenhaftes Vorhaben in einem schier zur Verzweiflung bringenden Himmelfahrtskommando endet. Dann zehrt die Unternehmung aber an der Ausdauer und vor allem am Selbstvertrauen und der Selbstzweifel am Sinn der Quälerei kann diese Unternehmung letztendlich scheitern lassen.

 

So erging es uns auf dieser Etappe, auf der ein harmlos klingender Berg namens Älplesattel uns beinahe hätte das Erklimmen abbrechen lassen. Aber der Tag fängt ja erst an: Zwei Tage mit unbeständigem Wetter und wenig Sonnenschein wurden am frühen Morgen in Warth schnell zur Vergangenheit. Ein wolkenloser Himmel und ein traumhaft schöner Sonnenschein strahlt am frühen Morgen in unser Hotelzimmer in Warth. Das Aufstehen fiel uns daher nicht schwer.  

Teil II. Die beiden Bergpässe des Vortages stecken uns noch gewaltig in den Knochen, aber heute freuen wir uns, über den Schrofenpass nach Oberstdorf zu gelangen. Wir wollen vor Oberstdorf eine neue Route in Richtung Osten ausprobieren und über den Älplesattel nach Hinterhornbach gelangen, so der Plan. Von Warth aus erreichen wir recht schnell den Einstieg bei Lechleiten zum Schrofenpass. Der Weg zum Pass ist nicht fahrbar, aber auch nicht sehr steil, so dass wir unsere MTBs recht gut den Berg hoch schieben können.

 

Der Schrofenpass ist ein gutmütiger Pass. Sowohl der Aufstieg als auch der Abstieg sind nicht sonderlich schwer zu bewältigen, es sind auch keine ewig langen Wege zu laufen. Einzig und allein ist eine gewisse Schwindelfreiheit beim Überqueren einer Metallleiter, die an der Felswand entlang am Pass mit dem Mountainbike zu gehen ist. Diese Stelle kann etwas Überwindung kosten, wenn man nicht ganz schwindelfrei ist. Ansonsten gibt es am Schrofenpass keine sonderlich größeren Herausforderungen. 

Tourenbilder 1:

 

 
Hotel in Warth

unser Hotel in Warth am Morgen

 

 

 
mit dem MTB an der Felswand beim Schrofenpass

auf dem Schrofenpass nach Oberstdorf

 

Teil III. Wir kommen gut voran und bei dem schönen Wetter kommt es uns ein bisschen vor wie auf einer Wandertour. An der Steilwand beim Schrofenpass möchte eine junge Frau ein Foto von uns machen und nähert sich beim Rückwärtsgehen so weit dem Abhang, dass wir verbal einschreiten müssen und sie daran erinnern, dass wir uns auf einem Berg befinden. Zum Glück hört sie auf uns und so endet die Fotoaufnahme noch glücklich.

 

Nach Überwindung des befestigten Leiterweges führt der nun schmaler werdende Trail vom Berg hinunter. Meter für Meter geht es jetzt auf gutem Schotterweg hinunter und uns kommen immer wieder kleine Gruppen oder einzelne Mountainbiker entgegen. Klar, es führt von Oberstdorf aus die klassische Heckmayr-Route bis zum Gardasee hier lang. Das ist sozusagen die Urvariante aller Alpencross- oder Transalp-Unternehmungen, die vor vielen Jahren den Startschuss zu den heute verbreiteten Alpenüberquerungen gab.

Teil IV. Wir lassen den Schrofenpass, der rund 1.700 Meter hoch ist, nun endgültig hinter uns und radeln jetzt auf eine nicht mehr enden wollende Teerstraße in Richtung Oberstdorf. Die Straße hat ein angenehmes Gefälle und so können wir unsere MTBs kilometerlang einfach nur rollen lassen. Es dauert noch eine ganze Weile, bis wir schließlich an die Abzweigung kommen, die uns zur Alpe Dietersbach führt.

 

Der Weg zur Alpe ist wunderschön: ein alleenartiger Weg, der anfangs noch geteert ist, führt durch eine schöne Landschaft, eingerahmt von den Bergen ringsum. Hier wird uns auch erst bewußt, in welch einer Kessellage sich Oberstdorf befindet. In viele Himmelsrichtungen kann man von Oberstdorf nicht gerade fliehen, wenn man das vorhat. Nach endlich langer Zeit kommen wir an der Alpe an. Der Weg führt nicht mehr weiter, die umliegenden Steilwände der aufragenden Berge verweigern sichtlich die Weiterfahrt.

Tourenbilder 2:

 

 
Edie, Stephan und ich am Älplesattel

bei Sonnenschein auf dem Schrofenpass

 

 

 
Edi schiebt das MTB den Berg hoch

Knochenarbeit am Älplesattel

 

Teil V. Befindet sich die Alpe auf gut 1.300 Meter Höhe, so sind es bis zum Älplesattel noch gute 600 Höhenmeter, bevor der weitere Weg uns dann über ein Joch auf 2.200 Höhenmeter letztendlich hinunter nach Hinterhornbach und nach Elmen bringen soll. Aber der Älplesattel ist alles andere als willig, uns zu empfangen: an der Alpe suchen wir den Einstieg und werden nach geraumer Zeit auf ein urwüchsiges Gestrüpp aufmerksam, dass sich wie eine monsterhohe Ranke vor uns auftut. Das wird harte Arbeit für uns.

 

Der Älplesattel ist ein unüberwindbar scheinender Urwald, der senkrecht in den Himmel gewachsen ist. Mit großer Anstrengung nehmen wir den steilen Hang nun in Angriff. Das Schieben unserer Mountainbikes entpuppt sich das erste Mal als arges Hindernis. Der Berg ist so steil, dass wir das Gefühl haben, unsere MTBs senkrecht den Berg hochschieben zu müssen. Ein Urwuchs an allerlei Pflanzen scheint an uns zu kleben, aber zu allem Übel kommt auch noch das Vorwärtsgehen durch eine bis zu einem Meter tiefe Furche hinzu. Der Regen hat hier ganze Arbeit geleistet.

Teil VI. Zwei Wanderer kommen uns entgegen und drücken ihr Mitgefühl in motivationsbrechenden Worten aus. Es ist das erste Mal, dass ich mich schuldig an diesem Verbrechen fühle und frage, ob wir die Etappe abbrechen sollen. Edi und Stephan bringen mich mit ihrem unerschütterlichem Glauben an den Erfolg wieder auf die Spur. Wir drei sind einfach ein absolut klasse Team. Belohnt wird unser Teamgeist beim Erreichen der Sattelspitze mit völliger Erschöpfung und nicht mehr zählbaren Kratzwunden von dem Pflanzenwust.

 

Den Weg über das südliche und nördliche Höllhorn entscheiden wir zu lassen, es ist zu spät dafür. Dafür dürfen wir auf der Abstiegsseite unsere Räder wieder ein ganzes Stück zur nächsten Alpe hinuntertragen bzw. schieben. Aber wir schaffen es diesmal schneller und auf der nach Oberstdorf zugewandten Seite gibt es nicht so tiefe Furchen im Gelände wie beim Aufstieg. An der Alpe angekommen, können wir glücklicherweise auf einem befestigten Weg bis Oberstdorf hinunterradeln und uns eine Unterkunft für heute suchen. War das Ziel für heute über das Joch nach Hinterhornbach zu kommen, sind wir nun vor den Bergen in Oberstdorf gefangen. 

Tourenbilder 3:

 

 
Blick vom Schrofenpass auf die umliegenden Berge

alpine Stimmung am Älplesattel

 

 

 
es wird den Schrofenpass runtergetragen

und das MTB wieder runtertragen