Alpencross Zillertal: 6. das Timmelsjoch

der Bahnhof in Meran

 

der Bahnhof in Meran

 

 

Technische Daten:

Länge:     82 km
Höhe:      1550 Hm
Dauer:     7:40 h 

Wetter:  ♦♦♦♦
Strecke: ♦♦♦
Level:    ♦♦♦♦♦

Highlights:

  • Abfahrt vom Timmelsjoch

Übers Timmelsjoch nach Meran

Teil I. Der Gasthof Bergfriede in Huben war eine sehr freundliche und angenehme Unterkunft, gegessen haben wir vorzüglich im hauseigenen Lokal. Was wir nicht wussten, war die Lage der Dorfkirche, denn am nächsten Woche gab es zu früher Stunde die ersten Glockenschläge, die durch Mark und Bein gingen. Die Kirche ist direkt gegenüber des Gasthauses und die Glocken fühlen sich an, als wären sie unter der Zimmerdecke montiert. Aber so wurden wir glücklicherweise zeitig geweckt und konnten mit dem Packen unserer Sachen und der Tagesvorbereitung beginnen.

 

Eine reichliche Portion Frühstück ist heute mehr als notwendig, denn es steht die Überwindung der höchsten Bergetappe bevor: das Timmelsjoch. Über 2.470 Meter hoch gelegen, bildet das Timmelsjoch die Grenze zwischen Österreich und Italien und entsprechend stark befahren ist die Strecke vor allem zur Urlaubszeit, die Mautstation bei Obergurgel freut sich. Wir brechen auf und fahren die ersten Kilometer noch erholt bis Sölden auf schönen Radwegen an der Ötztaler Ache entlang. Der Weg führt dabei durch kleinere touristisch erscheinende Ortschaften, schließlich kann man hier schön Wandern und im Winter Ski fahren. 

Teil II. Sölden ist unsere erste Zwischenstation, an der wir einen Supermarkt plündern, um das übliche Mittagessen zu sichern. Ab hier sind es nur noch wenige Kilometer bis Zwieselstein, wo der Aufstieg zum Timmelsjoch seinen Start findet. Das Wetter ist heute ideal, es scheint nicht nur die Sonne mit ein paar Schleierwölkchen gefiltert, die Temperaturen sind weder heiß noch schwül und so können wir optimal die nun anstehende Galeerenarbeit des gleichmäßigen Pedalenkurbelns bis zum Timmelsjoch erledigen. Wir haben keine Vorstellung, wieviel Zeit wir dafür benötigen werden.

 

Wer einmal nach Zwieselstein auf einer Landkarte sucht, wird einen keilförmigen Verlauf der Hauptstraße dort finden, der schließlich in einer Spitzkehre über Hochgurgl sich nach Norden wieder hocharbeitet, um auf geradem Endspurt zum Timmelsjoch zu führen. Auf den ersten Blick scheint es nahe zu liegen, irgendwie auf einem Wanderweg den gut zehn Kilometer langen Keil durch eine Abkürzung zu überbrücken. Das könnte man auch machen, nur sind dann auf knapp einem Kilometer fast 500 Höhenmeter durch Wander- und Kletterarbeit zu leisten. Wir haben uns daher entschieden, lieber langsam den Berg auf guten Straßen hoch zu kommen.

Tourenbilder 1:

 

 
Stefan hinter Obergurgl

Stephan läßt sich nicht vom Weg abbringen

 

 

 
gute Laune auf dem Weg zum Timmelsjoch

ein Lächeln für die Kamera

 

Teil III. Wir sind an einem Wochentag unterwegs und haben daher das Glück, einen zwar schon stärkeren, aber dennoch erträglichen Auto- und vor allem Motorradverkehr an uns vorbei fahren zu hören. Das Timmelsjoch ist für Motorradfahrer sicherlich ein Highlight, da es auf der italienischen Seite viele Serpentinen mit viel Kurvenspaß zu bieten hat. Für uns gibt es auch Kurvenspaß, aber vorher dürfen wir uns dafür den Berg hoch quälen. Auf dem Weg zum Joch passieren wir Ortschaften wie Pill, Obergurgl und Hochgurgl.

 

Die ganzen Gurgels sind Ortschaften, an denen Skilifte bis auf gut 2.700 Höhenmeter führen, Berge wie der Wurmkogel sind bis 3.000 Meter hoch. In dieser Gegend gibt es sogar noch schmale Fahrwege wie bei Obergurgl, die an Berghütten mit kreativ gewählten Namen wie Rumsoppen immerhin auf 2650 Höhenmeter zum Roßkar führen. Wer sich das mit dem MTB antut, fällt oben bestimmt tot vom Rad.

Teil IV. Bei Hochgurgl ist es dann soweit: wir erreichen die Mautstation für das Timmelsjoch und dürfen mit unseren MTBs an der Zahlstelle rechts vorbei fahren, während alle motorisierten Wegbegleiter brav zahlen dürfen. Einen Vorteil muss es ja haben, wenn man sich schon einen Berg hoch quält. Ein Schild weist auf ein Nachtfahrverbot hin, das von 20:00 Uhr bis 7:00 Uhr gilt. Gut, wer das auf seiner Reise nicht erst hier erfährt. Aber dafür gibt es ja auch einen Kilometer zurück eine Reihe von Hotels, die auf Kundschaft warten.

 

 Wir bereiten uns gedanklich auf die letzten dreihundert Höhenmeter vor, passieren die Mautstation und dann passiert etwas für einen Mountainbiker, der einen Berg hoch will, etwas fürchterliches: es geht wieder bergab und wir verlieren einen Teil unser teuer gewonnenen Höhenmeter. Die MTBs rollen eine ganze Zeit lang immer bergab und wir denken, so kommen wir nie aufs Timmelsjoch. Nach gut einem Kilometer hört der Schrecken dann auf und in einer neunzig Grad Kurve beginnt dann zum Glück wieder der Anstieg.

Tourenbilder 2:

 

 
die Berghütte am Timmelsjoch

die Hütte am Timmelsjoch

 

 

 
die Serpentinen bei der Abfahrt vom Timmelsjoch

und alles wieder runter

 

Teil V. Kehre für Kehre folgt und gibt uns auf einem roten Blechschild, das immer wieder neu hinter jeder Serpentine steht, den Stand der Höhe an. Das ist nett und so wissen wir, wann die Hütte auf dem Timmelsjoch erreicht wird, was dann auch nach einiger Zeit der Fall ist. Über uns ziehen die Wolken zu, auch wenn es nicht nach Regen aussieht. Eine Temperaturanzeige auf der Hütte zeigt sieben Grad an, das ist nicht so viel, wie wir uns wünschen und daher packen wir uns gut in unsere Fleecepullover und Thermohemden ein. Ab jetzt beginnt die Abfahrt und wir freuen uns darauf, denn die Sicht auf die umliegenden, hohen Berge ist wunderschön und beeindruckend. So sind es Berge wie der Cima Piccola mit 3.100 Metern, die Schneespitze mit 3.170 Metern und viele majestätische Berge mehr.

 

Einige Tunnel, die auf der Abfahrt zu passieren sind, bereiten uns alles andere als einen freundlichen Empfang. Sie sind dunkel wie die Nacht und stellenweise sind Schlaglöcher wie Kanalgruben vorhanden (vielleicht ist das ja mittlerweile ausgebessert). Wer hier sein Gepäck oder Beleuchtung nur leicht befestigt hat, kann sich auf eine abenteuerliche Suche nach seinem Hab und Gut im Dunkeln vorbereiten oder fährt besser weiter, um nicht von einem nachfolgendem Auto überrascht zu werden. Sind die Tunnel durchfahren, öffnet sich der Blick auf eine herrliche und bezaubernde Landschaft ringsherum. 

Teil VI. Die Strada Statale 44 führt uns hinunter nach St. Leonhard, auf italienisch San Leonardo, ins Passeiertal. Unzählige Serpentinen haben uns scheibchenweise über 1.700 Meter an Höhe abgenommen und ein am Ortsende aufgehängtes Thermometer zeigt eine brütende Sommertemperatur von 35 Grad an. So schnell hatten wir unsere Winterbekleidung noch nie ausgezogen und in die sonst gewohnte Sommer-Radkleidung gewechselt. St. Leonhard ist unser Scheidepunkt: wir hatten eigentlich geplant, über Sterzing und die Tuxer Alpen nach Mayrhofen zu fahren. Die Vernunft, es gibt bereits schlechte Wettervorhersagen und Regen in der dortigen Region, hat uns dann einen Richtungswechsel in den Süden vorziehen lassen.

 

Wir machen eine kurze Pause und besorgen uns bei der Hitze was zu trinken. Jetzt haben wir das Glück, das nach Meran kein Berg oder Pass, so wie das Timmelsjoch, mehr zu überwinden ist. Es geht auf den  letzten 15-20 Kilometern nur noch leicht bergab, denn wir haben noch ein Guthaben von rund 300 Höhemetern, das wir nach und nach jetzt abrollen. Wer noch nie in Meran war, fühlt sich von Anfang an wohl in der Stadt. Sofort überfällt einen das italienische Flair mit wohligen Temperaturen, schöner Architektur der Gebäude und Häuser, sowie unzählige Blumengärten. Es herrscht eine üppige Pflanzenpracht und Vielfalt, wie sie in einem riesigen botanischen Garten sonst nur zu finden ist. Auf unserer letzten Etappe finden wir in Meran eine schöne Bleibe in einer alten Villa.

Tourenbilder 3:

 

 
unsere Villa in Meran

unser Palais in Meran

 

 

 
Edi und Uwe im Zug nach Brennero

es geht zurück nach Konstanz