1. Von Havanna in die Tabakregion Vinales

die Hauptstadt Havanna auf Kuba

Havanna - die Haupstadt von Kuba 

 

Mit dem Fahrrad auf Kuba

Gewiss, vom Bodensee aus ist diese Fernreise mit dem Fahrrad definitiv nicht gestartet worden, sonst wäre ich heute noch unterwegs. Die Hilfsmittel Auto + Flugzeug erledigten den Großteil der Anreise auf die karibische Insel Kuba, die ein direkter Nachbar von Mexiko und den USA ist. Welche Beweggründe motivieren jemanden, eine Reise in ein solches Land zu unternehmen und was gibt oder gab es dort zu erleben?

Grundsätzlich muss gesagt werden: kein Land dieser Erde ist gänzlich frei von irgendwelchen Risiken beim Reisen durch das Land. Sind es in einem Land instabile gesellschaftliche Verhältnisse, so sind es in einem anderen vielleicht sonderbare Krankheiten und in einem weiteren besonders gefährliche Tiere. Natürlich gibt es noch weitere Kriterien, die einem Land den Daumen nach oben oder nach unten zeigen lassen, um dort hin zu reisen.

Kuba bietet sich als Reiseland mit dem Fahrrad sehr gut an, auch wenn es gewisse Rahmenbedingungen gibt, die man vor einer Reise wissen sollte. Begibt man sich auf eine organisierte Radtour, dann kann man sich entspannt zurück lehnen und seinen Radtour-Betreuern den Job machen lassen, dafür bezahlt man ja schließlich. Wer seine Radtour auf Kuba aber selber organisieren möchte, sollte sich über folgende Punkte Gedanken machen:

 

  • Sprache: ein paar Brocken Spanisch sollten gelernt sein, zumindest "Danke", "Bitte", "Guten Tag" und "Guten Abend" sind das Minimum. Ein elektronischer Übersetzer oder ein Wörterbuch müssen auf jeden Fall dabei sein und als Radfahrer sollte man "links", "rechts" und "geradeaus" auf Spanisch auch wissen.
  • Gefährliche Tiere: mir sind keine besonders gefährlichen Tiere auf Kuba bekannt, vielleicht habe ich auch welche überlesen. In vielen Ländern sind verwilderte Hunde ein großes Problem, die vor allem zu einer ernsten Bedrohung werden können. Auf Kuba habe ich keinerlei negative Erfahrungen gesammelt. 
  • Essen: Die kubanische Küche ist nicht sonderlich bekannt für ihre Gaumenfreuden und man muss schon etwas Glück haben bei der Suche. Es gibt allerdings auch hier hervorragende Köche, die aus Wenig etwas zaubern können, aber es gibt genauso auch Einschränkungen in der Verfügbarkeit am Angebot, so wie man es in Deutschland nicht gewohnt ist. 
  • Unterkünfte: Für die Anreise ist es hilfreich, wenn man die ersten 1-2 Tage in Havanna sich von der Anreise erholt. Hotels am besten von Deutschland aus buchen, das ist einiges günstiger als vor Ort zum Teil unglaublich teure Übernachtungspreise zahlen zu müssen (vor allem in den bekannteren Hotels). Es gibt aber bereits in Havanna eine große Anzahl an privat vermieteten Unterkünften, sogenannte casa particulares, die eine tolle Alternative zu Hotels darstellen. Diese Privatunterkünfte verfügen über eine staatlich erworbene Lizenz zum Vermieten und sind durch ein Symbol am Haus oder Wohnung gekennzeichnet (aktuelle Symbole bitte prüfen, da sie sich ändern können). So lernt man Land & Leute unmittelbar kennen und wir haben auch richtig schöne Zimmer gehabt. Die Qualität der frei gewählten Unterkunft hängt natürlich vom Vermieter ab.
  • Währung: wer weiß, wie lange es die Doppelwährung Pesos und Cuc noch geben wird. Auf jeden Fall sollte man sich mit den Münzen und dem Wert vertraut machen.
  • Fahrradzubehör: wer auf Nummer sicher geht, nimmt alle wichtigsten Fahrradzubehörteile mit auf die Reise. Ich hatte sogar 2 Mäntel mitgenommen, da es in einigen Gegenden Baumarten mit besonders robusten Dornen gibt, die reinsten "spanischen Reiter"! Klares Muss sind natürlich ausreichend Flickzeug und Schrauberwerkzeuge.
  • Fahrrad im Flugzeug: unbedingt die Reiserichtlinien der Fluglinien beachten, sonst kann es Ärger geben. Ich habe mir in einem Fahrradgeschäft einen Verpackungskarton für ein Fahrrad besorgt und brav mein Fahrrad darin eingetütet, Pedalen nach innen geschraubt, Lenker um 90 Grad gedreht, usw.). Lief alles problemlos, vor allem am Flughafenzoll in Frankfurt und Havanna. Den Karton hatte ich in Havanna im Hotel für ein paar Pesos bis zur Rückreise "geparkt".
  • Die klassischen Punkte, die man bei einer Reise zu beachten sind, sollten einem offiziellen Reiseführer entnommen werden (Einreise, Zoll, Mückenschutz, etc.)

 

Jetzt geht's los

Havanna ist eine gigantische Stadt. Die Stadt dehnt sich in alle Himmelsrichtungen aus, hat teilweise sehr schöne, restaurierte Stadtteile und ein Besuch im Kapitol sollte nicht verpasst werden. Mein Hotel war ein Steinwurf davon entfernt, im sogenannten Stadtteil "Habana vieja". Morgens um 9 Uhr sattle ich das Rad und los geht's.

 

Am Malecon in Havanna

Der Startschuss zur Reise in den Westen der Insel ist gefallen

 

Ich fahre vom Stadtzentrum aus an den Malecon, die Straße, die direkt am Ufer des Meeres entlang die Stadt nach Westen hin verlässt. Für mich war das die einfachste Lösung zum Verlassen der Stadt. So wusste ich auf jeden Fall, wo ich mich befinde.

Der Start der Radreise war nicht emotionslos. Es waren nicht nur die völlig unbekannte Umgebung und das Nichtwissen, wie "das Land so tickt", die Gefühle, die meinen Puls höher schlagen ließen. Vielmehr legte sich ein leichtes Kribbeln gepaart mit einem Hauch Unbehagen über mein Innerstes, nicht zu wissen, wie weit ich überhaupt mit dem Rad kommen werde und wo ich heute eine Unterkunft finde. In den Reiseführern gab es nur wenige Orte mit Unterkünften, die an einer Hand abzählbar waren. Es stellt sich natürlich die Frage, ob ich in den zum Teil sehr weit aus einander liegenden Orten überhaupt ein Zimmer finden werde, geschweige denn ein freies Zimmer bekomme. Denn auf Kuba sind viele Touristen mit einem Mietwagen unterwegs.

Der Tod eines neuen Vorhabens sind häufig zu viele Gedanken. So habe ich Befürchtungen und Ängste bewusst beiseite geschoben, denn sonst wäre ich die Reise nie angetreten. Also fahre ich früh morgens am Malecon entlang und genieße die gerade erwachte Morgensonne mit angenehmen Temperaturen. Im Dezember auf Kuba Rad zu fahren ist eine gute Entscheidung gewesen, denn es sind im Schnitt noch 25 Grad. Perfekt zum Radeln.

Weniger Perfekt ist meine Ladetechnik auf dem Rad. Zwei Gepäcktaschen, bis zum Rand gefüllt mit Sachen, die in den nächste 4 Wochen meine Wohnung ersetzen, sowie mein Wanderrucksack, der nicht minder gut gefüllt ist, sind einfach zuviel Gewicht für mein Hinterrad. Der Reifen, gut aufgepumpt, wirkt trotzdem zu stark belastet und das ganze Fahrrad schwammert wie ein rohes Ei von links nach rechts. Ich habe keine Probefahrt vor der Reise gemacht! Ab jetzt wird der Rucksack nach vorne auf das Oberrohr verlagert, nicht sehr schön zum Fahren, aber die Lösung für das Problem.

 

mit dem Fahrrad auf Kuba

Der Rucksack ist jetzt mein Schlafkissen

 

Von Havanna aus fahre ich über den kleinen Ort Mariel und auf der Autopista nach Cayajabos, wo ich nach weiteren 20-25 Kilometern in dem kleinen Ort Soroa Glück habe und ein Zimmer finde. Ich bleibe eine Nacht und lerne etwas über die Lebensweise der Menschen hier kennen. Über meinen Auslandsaufenthalt in einem spanisch sprechenden Land bin ich jetzt sehr froh, denn die Verständigung klappt ganz gut, Kuba scheint für einen Spanisch Lernenden gar keine schlechte Wahl zu sein.

Am nächsten Tag fahre ich weiter. Das selbst gerichtete Abendessen, das Zimmer, generell das ganze Anwesen war sehr gepflegt. Für die erste Überraschungsübernachtung war das ein guter Treffer, wer weiß, welche Abenteuer ich noch erleben darf? Das heutige Ziel ist es, bis San Diego de los Banos zu kommen, der Weg dorthin ist mit einigen Hügelabschnitten versehen.

Unterwegs treffe ich einen jungen Mann, der mich eine Weile auf seinem Fahrrad begleitet. Mir fallen seine kräftigen Oberschenkel auf, das Fahrrad muss sehr kräftetreibend sein. Und so ist es auch, ich frage ihn, ob ich mir sein Rad einmal anschauen darf. Bei der Hebeprobe breche ich mir fast die Hand. Das ganze Rad verfügt über einen einzigen Gang, so etwas habe ich bei einem Erwachsenenrad noch nicht gesehen. Der Mantel bestand nur noch aus Nähten. So ist der Zustand vieler Räder, wie ich später häufiger gesehen habe und es ist mir nun klar, warum die Menschen mit glänzenden Augen auf meine Fahrradmäntel schauen. Das ist allerbeste Reifenqualität eines deutschen Markenherstellers. Ich habe dem netten Mann einen Mantel geschenkt, schließlich habe ich ja noch einen zweiten dabei.

Am späten Nachmittag erreichte ich den Ort San Diego de los Banos, meine letzte Zwischenstation auf dem Weg in das Tabakparadies Vinales, eine unglaublich schöne Gegend auf Kuba. Ob ich dort zum Zigarren-Kettenraucher werde? Wir werden sehen.

 

Radfahren in Vinales auf Kuba

tolle Landschaft bei Vinales mit Mogotes im Hintergrund

 

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