Romreise Teil 2: von Thusis nach Chiavenna

Radfahren Rom Thusis - Chiavenna

Technische Daten:

Länge:     70 km
Höhe:      1.800 Hm
Dauer:     9 h (Fahrzeit + Pausen)

Wetter:  ♦♦♦♦♦
Strecke:  ♦♦♦♦♦
Level:     ♦♦♦♦♦

Highlights:

  • Weg durch die Via Mala
  • Rofla-Schlucht
  • Splügen-Passüberquerung

Über den Splügenpass nach Chiavenna

Teil I. Ich verlasse früh morgens gegen 8:00 Uhr meine Unterkunft. Gut gefrühstückt, halbwegs gut geschlafen und alle Sachen gut in den wetterfesten Satteltaschen verstaut, mache ich mich auf den Weg zum Splügenpass. Lange habe ich überlegt, welche Route ich wählen und welcher Pass über die Alpen der komfortabelste ist. Da ich den Bernadinopass bereits kannte, entschied ich mich einfach für die Alternative, den Splügenpass. Was Neues kennen zu lernen macht ja meistens Spaß.

 

Ab Thusis ist erst einmal Ende mit Abenteuerromantik. Gleich am Ortsende weist freundlich  eine weiße Schrift auf rotem Schild auf die anstehende Arbeitstätigkeit des Tages hin: 1360 Höhenmeter sind auf 46 Kilometer Fahrstrecke abzuarbeiten. Da bleibt mir erst einmal die Spucke weg daran zu denken, 20 Kilo Gepäck und ähnliches Gewicht meines alten Mountainbikes hier über den Berg tragen zu müssen.

Teil II. Ich setze mich in Bewegung und durchfahre die Via Mala, eine alte Straße, die schluchtartig durch steile Felswände führt und früher der Verbindungsweg zu den Alpenpässen war (siehe auch das kurze Via Mala Video). Landschaftlich ist die Gegend sehr beeindruckend, vor allem im Sommer bei heißen Temperaturen ist es in der Schlucht recht angenehm und kühl. Nach rund 8 Kilometern ist die Schlucht durchfahren und der Blick öffnet sich wieder auf Wiesen und allseits tronenden Gebirgszügen der Alpen.

 

Es geht wie versprochen stetig bergauf und einige Serpentinen nahe der Roflaschlucht helfen mir die Höhenarbeit nicht allzu steil werden zu lassen. Die Region ist traumhaft schön und entschädigt für die monotone Kletterarbeit. Nach einiger Zeit zeigt sich der Sufnersee vor mir.

Tourenbilder 1:

 

der Ort Splügen

die Ortschaft Splügen

 

  

Schneefeld auf dem Splügenpass

Schnee auf dem Splügenpass

 

Teil III. Am Fuße des Sees lege ich eine kleine Pause ein. Gefühlt scheine ich die Hälfte der gesamten Tagessteigung erreicht zu haben und das ist nicht schlecht geschätzt: der See befindet sich auf 1.400 Meter Höhe und bis zum Splügenpass sind es noch weitere 700 Höhenmeter. In Thusis war ich noch bei stiefmütterlichen 700 Höhenmetern gestartet. Es ist noch weit vor der Mittagszeit und ich bin zufrieden mit der bisherigen Leistung.

 

Meine größte Befürchtung ist die Schneelage auf dem Pass. Als ich vor einer Woche noch die Wetterdaten der Alpen studierte, lagen die Temperaturen auf dem Splügenpass bei -5 Grad und es war eine leichte Schneedecke vorhanden. Glücklicherweise hat es einen abrupten Temperaturwechsel gegeben und seit einigen Tagen ist es in Talhöhe bereits über 20 Grad warm. Ich sitze wieder auf und fahre nach Splügen in das Dorf.

Teil IV. Splügen selber ist so, wie man sich ein Schweizer Dorf in den Bergen vorstellt: hier ist es ruhig, ein bischen touristisch und alles strahlt eine ordentliche Aufgeräumtheit aus. Es gibt keinen Grund sich hier unwohl zu fühlen. Ich fahre ein Stück in den Ort und biege dann in Richtung Pass ab. Ab jetzt wird der Weg auf den Berg zunehmends erkennbar. Der Splügenpass ist gnädig und erleichtert mir mit vielen, langgezogenen Abschnitten und Kurven die Auffahrt.

 

Die ersten Urlauber fahren an mir langsam vorbei und ich komme gut voran. Obwohl ich für diese Tour nicht gerade geübt habe, weder im Fitnessstudio noch sonst wie Vorbereitungen getroffen habe, trägt mich meine Motivation Meter für Meter den Berg hinauf. Auf dem Pass angekommen kann ich es kaum glauben, dass ich mit all dem Gewicht meines Rades und Beladung so gut hochgekommen bin.

Tourenbilder 2:

 

Blick vom Splügenpass

Abfahrt vom Splügenpass

 

 

Chiavenna

in Chiavenna angekommen

 

Teil V. Auf der Spitze sind es rund 14 Grad und ich bin froh, dass es in der Zwischenzeit keinen Wettersturz gab. Meine Reise hätte sonst nur noch über den tiefer gelegenen Bernardinopass weitergeführt werden können. Schneefall zu dieser Jahreszeit, es ist Mai, ist nicht ganz ungewöhnlich, aber der Himmel ist auf dieser Reise mein Freund. Ich nehme ein Finisher-Photo am Pass auf und fahre langsam weiter. Wer auf eine Karte schaut, sieht den Lago di Montespluga, namentlich sind wir also in Italien angekommen.

 

Ein Stück weiter in ungewöhnlicher Lage befindet sich das Dorf Madesimo. Eigentlich gäbe es nicht viel zu diesem, in unwirtlicher Lage befindlichem Dorf zu sagen, wäre nicht hier einige Jahre lang die Leiche Mussolinis vergraben gewesen. Zuvor wurde seine Leiche aus der Nähe von Mailand gestohlen. Ein weiter Bekannter ist Johann Heinrich Pestalozzi, der namentlich auch mit dem Ort verbunden ist.

Teil VI. Zunehmends nimmt mein Rad Geschwindigkeit auf. Die Abfahrt wird immer steiler und gefährlicher, da dunkle Tunnel mit marodem Fahrbelag mein treues Rad kräftig durchschütteln. Immer wieder muß ich eine Pause einlegen, ich habe Angst, meine Felgen schmelzen sehen zu können. Schließlich wird mir bewußt, dass ich kostbare Höhenarbeit vernichte. Ausgehend von rund 2.100 Metern wird Meter für Meter vernichtet, um mich auf Höhe des Comer Sees nur noch auf 330 Meter zu bewegen, die Temperaturen steigen aber im Gegenzug von 14 Grad am Berg auf über 30 Grad in der Ebene an. 

 

Nach endloser Zeit verlangsamt sich die Abfahrt und ich rolle in Chiavenna ein. Ein Blick zurück auf die massive Bergwand gibt mir das Gefühl, dass dies ein unüberwindbares Hindernis der Natur ist. Da soll ich mit dem Fahrrad herunter gekommen sein?

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