3. Santa Clara und Trinidad

Häuserzeile und Sonnenuntergang in Trinidad

Sonnenuntergang in Trinidad

 

Von Las Tumbas nach Santa Clara

Zwei Tage Strandurlaub sind eine gute Zeit, um den ganzen Tag einmal ganz andere Dinge zu tun, wie beispielsweise Lesen und Schwimmen und natürlich Essen. Die Zeit ist ausreichend, um wieder Lust auf's Radfahren zu bekommen und die nächsten Ziele anzusteuern.

In dem vier Wochen "Kuba mit dem Rad"-Programm stehen einige Klassiker auf der Liste. Dazu gehört vor allem die Stadt Santa Clara, wo das große Che Guevara Denkmal steht und die Gräber vieler weiterer Helden aus der Revolutionszeit zu besichtigen sind.

Als Che Guevara in den Siebzigern in Bolivien eine Revolution ähnlich dem guerillamäßigen Vorgehen auf Kuba erreichen wollte, wurde er nach dem Scheitern der Aktion und seiner anschließenden Gefangennahme in einem kleinen Ort erschossen. Sein Leichnam wurde an einem unbekannten Platz verscharrt, erst viele Jahre später hat jemand das Geheimnis preisgegeben und es konnte die Rückführung der sterblichen Überreste nach Kuba verhandelt werden.

 

das Denkmal Che Guevarra

Das Denkmal von Che Guevara in Santa Clara

 

Zwischenstopp in Vinales

Die Rückfahrt von den zwei Auszeit-Tagen in Las Tumbas nach La Bajada mit dem Rad habe ich mir geschenkt und bin statt dessen mit einem Kleinbus zurück gefahren. Die Massage auf dem Hinweg mit den Bodenwellen hat mir gereicht.

La Bajada ist der Ausgangspunkt, um auf einer anderen Streckenvariante zurück nach Vinales zu fahren. Unterwegs bin ich die meiste Zeit alleine auf der Straße, ab und zu überholt mich wenig motiviert ein Auto, das ich schon von weitem hinter mir hören kann. Einen Vorteil müssen die alten Modelle ja auch haben.

Unterwegs lerne ich erneut eine technische Erfindung kennen. In einem kleinen Dorf sitzt jemand vor einer Apparatur und es sieht so aus, als würde er dort Schlangen bändigen. Bei genauerem Hinsehen stelle ich aber fest, dass es sich nicht um irgendwelche Reptilien handelt, sondern um ganz gewöhnliche Fahrradschläuche. Ich gehe auf den Mann zu und unterhalte mich mit ihm über seine Erfindung und er erklärt mir, wie sie funktioniert. Meine Freude über seine technische Glanzleistung macht ihn glücklich.

 

Maschine zum Reparieren von Fahrradschläuchen

eine Reifenreparatur-Anlage

 

Mit Bus und Fahrrad unterwegs 

Meine Reise geht weiter, beziehungsweise wieder zurück an einen bekannten Ort: nach Vinales. Es gibt eine sehr gute Busanbindung und so fahre ich mit dem Reisebus zurück nach Havanna und dann weiter mit dem Bus nach Cienfuegos. Verwöhnt von der abwechslungsfreudigen Landschaft im Tal von Vinales, erlebe ich auf der Busfahrt eine durchgehend monotone Umgebung. Es wechseln sich geerntete Zuckerrohrplantagen mit nicht geernteten Plantagen ab. Viel Variation gibt es nicht.

Cienfuegos ist eine Stadt mit alten Herrschaftsgebäuden, in denen einmal wohlhabende Plantagenbesitzer wohnten. Das hatte sich nach der Revolution geändert und nun habe ich die große Ehre, bei einer Familie, die jetzt in so einem herrschaftlichen Haus wohnt, für ein paar Tage bleiben zu dürfen.

Die Wände in dem Haus sind so hoch, dass es eigentlich egal ist, wie groß man selber ist, denn ein Gefühl für die Deckenhöhe besitzt man nicht mehr. Würde man die Decke blau anmalen, wäre kein Unterschied zum Himmel erkennbar.

Spannende Dinge entdecke ich in Cienfuegos nicht, vielleicht hat mein Reiseführer mir aber auch nicht alles verraten. Die Erfahrung mit der langweiligen Zuckerrohrlandschaft lässt mich dazu hinreißen, weiter mit dem Bus nach Santa Clara zu fahren, wo besagtes Che Guevara Denkmal steht und ich zwei Tage bleibe.

 

Alter Mann in Pinar del Rio

kleinere Verkaufsstände unterwegs

 

Ankunft in Trinidad

Streckenweise mit dem Bus zu fahren, halte ich für eine gute Entscheidung. Ich muss nicht auf jedem Zentimeter der Insel selber gerollt sein, dazu ist mir die Zeit zu Schade. Von Santa Clara aus fahre ich jetzt aber wieder mit dem Fahrrad und mein Ziel ist Trinidad. Der Weg ist recht lang und ursprünglich war geplant, dass ich mir unterwegs eine Unterkunft suche.

Mein größtes Hindernis, aber auch meine spannendsten Reiseeindrücke, sind die Fahrt am Rande der Sierra Maestra, genauer gesagt über den Topes de Collantes. Das ist eine recht hohe und dicht bewaldete Gebirgsregion, in dessen Umgebung  Fidel Castro und seine Mannschaft sich jahrelang zurück gezogen hatten, nachdem die Rückkehr von Mexiko nach Kuba mit der berühmt gewordenen "Granma" in schweren Gefechten geendet ist. Das Gebirge war der einzige Überlebensschutz vor dem Militär.

Spät am Abend komme ich in Trinidad an. Der Ort wirkt freundlich und nett, aber es wird der Alptraum meiner Kubareise. Es ist der 30. Dezember und Trinidad ist von Touristen übervölkert, die hier Sylvester feiern wollen. Das wird zu meinem Problem und ich grase die Stadt stundenlang ab und frage bei so ziemlich jedem Haus, ob sie noch ein Zimmer frei haben.

 

die Kirche in Trinidad

ein bekanntes Fotomotiv - die Kirche in Trinidad

 

Suche nach einer Unterkunft

Es ist zum Verzweifeln, denn nur wenige Hausbesitzer fragen, wie lange ich denn bleiben möchte und bei der Antwort "2 Tage" winken alle wieder ab. Das ist die andere Seite von Kuba, denn Trinidad ist eine der beliebtesten Ausflugsziele auf der Insel und entsprechend ausgebucht. Hier versuchen Hausbesitzer natürlich das Optimum an Auslastung und Einnahmen zu erzielen, das ist menschlich und unabhängig von der politischen Ausrichtung eines Landes.

Nach rund 4 bis 5 Stunden habe ich dann noch Glück. Für einen horrenden Preis bekomme ich eine Unterkunft, die eher als Besenkammer dienbar ist, aber ich bin froh, dass ich nicht noch am Abend weiter radeln muss. Drei Tage verbringe ich dort, zwei Tage liege ich mit Fieber und dauerhaften Schweißausbrüchen im Bett. Ich bin völlig am Ende und muss mir irgend etwas eingefangen habe. Am 2. Januar kehrt das Leben wieder zurück, Sylvester habe ich verschlafen, Happy New Year.

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