Wanderrad trifft Wanderrad

Auf der Suche nach dem Wanderrad

Vor einiger Zeit wollte ich einmal wissen, wie viele Verweise bei der Eingabe des Suchbegriffes "Wanderrad.de" in einer Suchmaschine angezeigt werden. Dies, um eine grobe Einschätzung zu bekommen, wie groß die Verlinkung und Indexierung der Seiten meiner Website nach einigen Monaten Existenz im Internet bereits ist.

Für den überwiegenden Teil der angezeigten Suchergebnisse erwartete ich naturgemäß eigene Unterseiten und Youtube-Videos. Das konnte ich auch im Ergebnis soweit nachvollziehen, aber zufällig entdeckte ich einen Eintrag, den ich nicht zuordnen konnte: eine Konstruktionsanleitung für ein Wanderrad.

Neugierig klickte ich also auf den Verweis, denn es interessierte mich durchaus, ob der Ausdruck "Wanderrad" zu einem eventuell neuem und vielleicht sogar bekanntem Produkt der Neuzeit gehört oder gar historische Wurzeln besitzt. 

 

Ein Wanderrad in Eigenregie entwickelt

Auf der Webseite las ich dann einen Bericht, der mich sehr berührte: es geht um einen Bub, der unter einer orthopädischen Kinderkrankheit namens Morbus Perthes leidet.

Da nicht jeder ein Experte für Krankheiten ist und ich als Elektrotechniker schon gar nicht, erläutere ich kurz, um was es dabei geht: bei Morbus Perthes handelt es sich um eine Erkrankung des Hüftkopfes im frühen Kindesalter, dessen Ursache bis heute nicht eindeutig geklärt ist. Die Folgen sind auftretende Schmerzen bei Belastung, die in die Bereiche Hüfte, Oberschenkel und Kniebereich ausstrahlen können und zwangsläufig zu Schonhaltung und Laufeinschränkungen führen.

Als Maßnahme zur Entlastung und um Verformungen des Hüftknochens zu verhindern, wurde dem Jungen eine Schiene am rechten Bein angelegt. Dass somit die Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt und Aktivitäten vor allem in der freien Natur kaum noch möglich sind, liegt nahe. Diese Situation führte zu der Erfindung des "Wanderrades". 

 

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Vorderansicht: das umgebaute Wanderrad mit der Schienenhalterung  

 

Und so sieht das Wanderrad aus

Eine Lösung, die die so entstandene Mobilitätseinschränkung auf äußerst pragmatische und elegante Weise löst, zeigt die wohl gefeilte Ingenieursleistung auf der Webseite unter http://www.ossenkopf.de/johann/schiene.html   (Autor: Fam. Ossenkopf).

Ein Kinderrad wird so umgebaut, dass ein Junge mit einem geschienten Bein in der Lage ist, auf dem Rad zu sitzen und es auch selber steuern zu können. Der Vortrieb erfolgt von einer weiteren Person, die mittels einer angebrachten Handstange das Wanderrad leicht schieben bzw. rollen kann. Aber wie wurde das gemacht?

 

Eckpfeiler der Konstruktion

  • Sitzposition: Da der Junge das Bein waagerecht lagern muss und eine stabile Sitzposition benötigt, wird ein Fahrrad-Kindersitz hinter dem Sattelrohr auf dem Gepäckträger montiert
  • Lenkung: Der Lenker wird entfernt und dafür ein Rohr mit einem Haltegriff montiert, das wie ein überlanger Vorbau vom Steuerrohr bis zum Sattelrohr reicht
  • Lagerung der Schiene: Die Kindersitzaufhängung am Sattelrohr wurde für die lose Fixierung der Schiene verwendet, indem die Schiene in einer gebogenen Mulde aus einem Winkelblech gehalten wird

 

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links: stabile Position mit Kindersitz, rechts: Richtungssteuerung mit Lenkstange

 

Mit dieser Konstruktion war es nun möglich, den gegebenen Bewegungseinschränkungen des Kindes durch tüftlerischen Erfindungsgeist entgegen zu wirken und an der Außenwelt wieder teilnehmen zu können. Ich weiß nicht, ob ich jemals auf so eine tolle Idee gekommen wäre.

Die Geschichte ist auf jeden Fall einen würdigen Platz bei Wanderrad.de wert.  Sämtliche Details sind auf der Webseite genau beschrieben und zum Nachbau freigegeben. Der junge Mann, der die Schiene trug, ist heute von seinem Leiden befreit und braucht die Schiene nicht mehr tragen.

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