Alpencross Gardasee : 7. Ankunft?

Über die Berge zum Gardasee

Panoramablick auf den Gardasee

Blick auf den nördlichen Teil des Gardasees mit Torbole

 

 

Technische Daten:

Länge:     83 km
Höhe:      1450 Hm
Dauer:     7:10 h 

Wetter:  ♦♦♦♦♦
Strecke: ♦♦♦♦ 
Level:    ♦♦♦♦♦

Highlights:

  • Abfahrt zum Gardasee und das Ankunftsbier im Hotel

Beschreibung der Tour von Pinzolo zum Gardasee:

Teil I. Es gibt Bücher, die beginnt man zu lesen und sie lassen einen von Anfang an bis zum Schluß nicht mehr los. Das Schöne an solchen Büchern ist, dass man sie jederzeit beiseite legen und sich sehr lange daran erfreuen kann, weil der Spaß für eine Weile konservierbar bleibt ... bis das Ende erreicht ist. Unser Spaß begann vor sieben Tagen und wird heute mit der letzten Etappe auch sein Ende nehmen, oder auch nicht?

 

Gut gegessen, gut geschlafen und auch noch ein gutes Frühstück verzehrt, was will man mehr. Mittlerweile hat sich unser Körper an unser temporär neues Leben gewöhnt und wir sind sogar mit unseren Rucksäcken bei stetig näherndem Tourenziel immer mehr eine Kompromißbeziehung eingegangen. Wie sollen wir auch sonst unser Zeug auf dem Mountainbike transportieren? 

Teil II. Das alltägliche Zeremoniell vom Aufstehen bis zur ersten Kurbelumdrehung ist abgespult und wir bewegen unsere MTBs auf die ersten Meter Richtung Gardasee und lassen Pinzolo hinter uns. Da wir guter Dinge sind und denken, in einigen Stunden ist unser gestecktes Ziel erreicht, bauen wir noch eine leichte Höhenvariante oberhalb von Pinzolo ein und fahren einige Steigungen bis in ein Waldgebiet den Berg hinauf.

 

Der Schotterweg ist sehr schön und bewaldet. Der schattige Mantel vom Blätterwerk der Bäume über uns hält die noch frühe, aber doch sehr wärmefreudige Sonne von uns fern. Bei Ches fahren wir wieder in Richtung der Strada Statale, wie die Hauptstraßen in Italien genannt werden, und treffen auf einen erstklassigen Radweg der uns eine ganze Weile noch bis nach Tione di Trento begleitet.

Tourenbilder 1:

 

 
amPasso Duron

wir nehmen den ersten Pass

 

 

 
Landschaft beim Passo Duron

Landschaft hinter dem Pass Duron

 

Teil III. Eine Überraschung erleben wir in Tione di Trento. Entgegen unserer Vorstellung, auf eine gute Ausschilderung Richtung Gardasee über die Nebenstrecke via Fiave zu treffen, beherrscht pure Schilderarmut diesen Ort. Die Streckenführung über den Passo Duron bleibt ein Mysterium. Nach einer leicht orientierungslosen Fahrerei im Ort sind wir dann doch noch auf den richtigen Einstieg via Bolbeno zum Pass gekommen.

 

Die Strecke ist ruhig und gemütlich zu fahren, aber wer schlau ist und sich nicht die Höhenmeter und Kurvenfahrerei antun möchte, nimmt den zwar etwas größeren Umweg über Ponte Arche, dafür werden dem MTB keine Steigungen in Rechnung gestellt. Auf jeden Fall kurbeln wir naturnah unsere Kilometer hier rauf und runter fleißig ab. 

Teil IV. Der Weg entpuppt sich zunehmends als Belastungsprobe: vielleicht stecken mir die Kilometer der letzten Tage so sehr in den Knochen oder ich brauche langsam mal eine Auszeit vom stetigen Berg hoch- und wieder runterfahren, aber auf dieser Strecke überkommt mich nach der n-ten Serpentine das Gefühl, eine höhere Kraft setzt uns einer zermürbenden Motivationsaufgabe aus.

 

Irgendwann nach gefühlter Kurve Nummer 93 ist meine Geduld am Ende und ich verweigere die Kurbelarbeit. Ich rufe meinem seelenruhig und mit tiefster Entspannung radelndem Kollegen zu, dass mich Kurve Nummer 93 fertig gemacht und ich eine Auszeit brauche. Wir entscheiden uns für eine Mittagspause, denn unsere Kurverei in Tione hat uns den Zeiger auf der Uhr mehr als gewollt nach vorne geschoben. Wir legen unsere Rucksäcke ab und genehmigen uns eine gute Vesperpause.

Tourenbilder 2:

 

 
wir schauen zum Gardasee

wir nähern uns dem Ziel

 

 

 
wir sind am Ufer des Sees

 kaum zu glauben - geschafft! 

 

Teil V. Die Mittagspause tat sein Gutes und ich hatte wieder Kraft für die nächsten Überraschungen. Die ließen auch nicht lange auf sich warten, dann nach weiteren eins, zwei Kurven hatten wir den Pass endlich erreicht. Ab jetzt rollten wir dann mit guter Panoramasicht nach Fiave. Die Landschaft, das Klima, alles wirkte nach dem Pass jetzt noch südländischer, was immer das auch heißen mag. Gefühlt schien der Gardasee nur noch wenige Kilometer entfernt, als wir in der Gegend von Ballino ankamen.

 

Zu sehen war zwar nichts vom See, aber er muss ja bald mal vor uns auftauchen, da wir mittlerweile schon gute fünf Stunden unterwegs waren. Anstelle des Gardasees begrüßte uns allerdings noch ein weiterer Pass, der Passo del Ballino, den wir überraschenderweise ohne Mühen erklommen, da unser Ziel vor Augen greifbar schien. Vielleicht war bei diesem Pass besonders viel Adrenalin im Spiel. Wir durchfuhren viele, unzählige, kleine Ortschaften. Häuser an Häuser reihten sich aneinander und der Autoverkehr erweckte zu neuem Leben, weit kann es nun nicht mehr sein. 

Teil VI. Wir rollten förmlich vom Pass her kommend auf den See zu und plötzlich tauchte die nördliche Fläche des Gardasees hinter einer Bergkuppe hervor. Wir haben es also geschafft und bis zum Ufer kann es nicht mehr weit sein! Nach sieben Tagen unermüdlicher Arbeit ist also endlich unser Ziel vor Augen. So richtig glauben können wir es nicht. Die Abfahrt nach Riva del Garda ist pure Euphorie. Wir fahren die engen Straßen entlang zur Promenade, schieben uns an Autoschlangen im Stau vorbei.

 

Der See ist nur noch ein paar Meter vor uns und wir suchen eine Stelle, an der wir unsere Mountainbikes abstellen können. Am flachen Ufer laufen wir ein Stück in den See hinein, heben die Arme und beglückwünschen uns für das gelungene Unternehmen und den Erfolg unserer lang geplanten Reise. Wir sind mächtig stolz auf uns. Ob wir so eine Reise noch einmal trotz aller Mühen unternehmen werden? Drei weitere Tage verbringen wir noch in Torbole und erkunden die Umgebung mit unseren Rädern bevor es dann mit dem Zug wieder zurück nach Konstanz geht. 

Tourenbilder 3:

 

 
Blick von Torbole auf die Landschaft

Ausflug am Gardasee

 

 

 
am Bahnhof in Varero

Das wars - und nun?

 

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