Alpencross Zillertal: 4. von Oberstdorf nach Elmen

das Ufer an der Lech

 

an der Lech entlang

 

 

Technische Daten:

Länge:     83 km
Höhe:      810 Hm
Dauer:     6:40 h 

Wetter:  ♦♦♦♦♦
Strecke: ♦♦♦
Level:    ♦♦♦

Highlights:

  • Sprungschanze in Oberstdorf
  • schöner Schotterweg an der Lech entlang

Von Oberstdorf über die Jochstraße nach Elmen

Teil I. Hat der Älplesattel am Vortag uns doch schwer gepeinigt, so war die Zimmersuche in Oberstdorf die Fortsetzung im zweiten Akt. Nicht das es sich dabei um ein theatralisches Drama handelte, nein, vielmehr war es die Erfahrung der Zimmersuche in einem begehrten Ferienort. Nach der Ankunft in Oberstdorf machten wir uns mit gewohntem Vorgehen für die Zimmersuche auf den Weg: wir klapperten Pension für Pension, Zimmer für Zimmer ab und bekamen bei jedem Vermieter die Antwort, dass nichts mehr frei sei.

 

Erst nach der gefühlt zwanzigsten Zimmeranfrage sagte uns dann ein Vermieter, dass es für uns besser sei, in einem Hotel anzufragen. Die Wahrscheinlichkeit ein Zimmer für eine Nacht zu bekommen, sei äußerst gering, da die meisten Vermieter keine Lust auf komplette Herrichtung der Bude schon nach einem Tag haben. Eine ehrliche Antwort, den Zimmeranbietern in Oberstdorf muss es wohl sehr gut gehen. Wir folgten der Empfehlung, suchten ein Hotel auf und erhielten in Null Komma nichts ein freies Zimmer. So mussten wir wenigstens nicht im Freien übernachten. 

Teil II. Beim Frühstück war klar, dass wir uns die Strapazen, den Älplesattel noch einmal von der Rückseite her hoch zu quälen, sicher nicht antun werden. Auch wenn wir so am kürzesten über das Höllhorn nach Osten gelangen würden. Die Alternativroute, die wir uns gestern Abend überlegt hatten, führt uns zuerst von Oberstdorf in Richtung Sonthofen und dann über Bad Hindelang und Tannheim an der Lech entlang nach Elmen. Das ist eine große Schleife, die wir nun um die große Gebirgskette der Allgäuer Hochalpen fahren, die Deutschland von Österreich trennt.

 

Gegen halb zehn verlassen wir Oberstdorf und fahren mit geladener Marschverpflegung los. Zu Beginn finden wir noch eine schöne Nebenstrecke, die uns von der stark befahrenen Bundesstraße nach Sonthofen fernhält. Das gelingt uns nur bedingt, denn bei Fischen finden wir keinen Fahrradweg und müssen uns mit dem donnernden Verkehr arrangieren, bzw. der Autoverkehr muss wohl oder übel uns ertragen. Die Erlösung für beide Parteien ergibt sich einige Kilometer weiter: wir finden den Einstieg zu einem tollen Schotterweg, der an der Iller entlang führt.

Tourenbilder 1:

 

 
hinter Oberstdorf auf der Schotterpiste

neuer Weg - von Oberstdorf nach Sonthofen

 

 

 
Oberstdorf hinter uns gelassen und jetzt bei Sonthofen

am Schwarzenbach entlang bei Sonthofen

 

Teil III. Wie schnell der Spaß am Radeln durch marginale Einflüsse oder Änderungen verbessert oder verschlechtert werden kann, erlebten wir an diesem Streckenabschnitt. Der Radweg hinter Fischen war ein echtes Highlight, denn er führte nicht nur an einem Fluss entlang, er war auch durch eine dichte Baumreihe von der Straße getrennt. So fuhren wir nach Sonthofen bei bestem Sonnenschein und es schien heute ein besonders heißer Tag zu werden, denn der Himmel zeigte nicht ein einziges Wölkchen, so herrschte die Sonne heute uneingeschränkt über uns.

 

Vor Sonthofen hieß es auf den günstigsten Weg nach Bad Hindelang zu kommen, ohne dass wir uns durch den Ortskern durcharbeiten müssen. Mein Navi, geladen mit einer hochauflösenden Detailkarte der Alpenregionen, zeigte uns die kürzeste Verbindung über eine südlich verlaufende Strecke oberhalb von Sonthofen-Beilenberg an. Bislang ist unser Vertrauen in das Navi nie enttäuscht worden und so probierten wir den Streckenvorschlag. Das GPS dirigierte uns durch ein wunderschönes Waldstück mit einem Wanderweg mit einem Bach namens Schwarzenbach entlang. Nach einigen Kilometern durch die urwaldähnliche Floralandschaft  wurden wir dann aber wieder ins Freie ausgespuckt. 

Teil IV. Das erste Drittel unserer großen Schleife um die Allgäuer Hochalpen ist vollbracht, jetzt kommt die erste Passhürde ab Bad Hindelang. Wir müssen nun bei immer stärker werdender Sommerhitze über die Jochstraße nach Oberjoch und dann in Richtung Tannheim fahren. Die Jochstraße schlingert sich in unzähligen Serpentinen den Berg hinauf und führt in den kleinen Ort Oberjoch, der von seiner Größe her zwar keine Besonderheit darstellt, aber es gibt hier etliche Skilifte, die zum Alpinen Trainingszentrum Allgäu gehören und den Ski-Nachwuchs beflügeln sollen.   

 

Da wir unser heute gestecktes Ziel bis Elmen in überschaubarer Zeit erreichen werden und die Hitze uns doch etwas zu schaffen macht, gönnen wir uns eine gemütliche Mittagspause an einem kleinen Kiosk mit Sitzgelegenheit und genießen die schöne Aussicht von der Jochstraße aus. Im Tal unter uns sind viele kleine Ortschaften im Allgäu zu erkennen. Weiter geht unsere Tour gen Osten und wir erreichen bald auch Tannheim und den Haldensee, der in fester Hand von Campingurlaubern ist. Die gesamte Umgebung hier ist sehr idyllisch und wirkt sehr einladend. Da wir aber noch einiges auf unserer Alpencross-Tour vorhaben und es gerade erst später Mittag ist, fahren wir weiter.

Tourenbilder 2:

 

 
Blick auf Sonthofen und Fischen

Blick auf Bad Hindelang

 

 

 
Uwe an der Jochstraße bei Bad Hindelang

Kletterarbeit nach Oberjoch

 

Teil V. Nach der Kletterarbeit von Sonthofen bis zum Haldensee führt unsere weitere Tour jetzt langsam zunehmend bergab, hinunter an den Fluss Lech. Vor Weißenbach rauschen wir auf unseren MTBs in schleifenförmigen Serpentinen die Berghöhe hinunter und erreichen in kurzer Zeit den Fluss, der uns jetzt die ganze Zeit bis zu unserem heutigen Etappenziel begleiten wird. Ab jetzt lassen wir die hügeligen Streckenabschnitte hinter uns und dürfen nun in der Ebene entspannt weiterradeln.  

 

Der Weg ist überwiegend asphaltiert, geht aber stellenweise in einen Schotterweg über, der in direkter Nähe am Fluss entlang führt. Dass wir so schöne Radabschnitte antreffen werden, hätten wir nicht gedacht. Es ist ein bisschen eine Karl-May-Winnetou-Atmosphäre hier, wenn man seine Phantasie mit dem heutigen Wetter kombiniert: sengende Hitze, Berge im Hintergrund, ein rauschender Fluss, an dem man sein Tipi-Zelt aufbaut. Es fehlt nur noch das Lagerfeuer und die blechernde Kaffeetasse, an der man sich ständig die Finger verbrennt.

Teil VI. Gemütlich und immer im Flachen, so wie es ein Fluss landschaftlich mit sich bringt, radeln wir Elmen entgegen. Einige Kilometer vor dem Ziel treffen wir auf ein Ortsschild mit der Aufschrift "Vorderhornbach". Das wäre unser Ziel des gestrigen Tages gewesen, hätte der Älplesattel uns nicht so geärgert und uns einen schnelleren Aufstieg gewährt. Statt heldenhaft über die Berge wie drei unbekannte Wesen in den Ort von Westen her einzutreffen, mussten wir uns den Naturgegebenheiten anpassen und uns unterwürfig in hohem Bogen nun von Norden auf einem banalen Radweg hierher bewegen.

 

Die Schmach ist schnell vergessen, denn kurz darauf erreichen wir den überschaubaren Ort Elmen und nehmen gleich die gastronomische Qualität der ersten Pension mit Augen und Nase wahr. Auf einer Schiefertafel wird ganz klar gesagt, was uns erwartet: Schnitzel mit Pommes zu einen soliden Preis. Es gibt nichts an diesem Tag zu beklagen und die Pension bietet ein bequemes Zimmer mit Balkon, gutem Essen und einen schönen Blick auf die Berglandschaft. Doch: irgend jemand legt ein schlafraubendes Schnarchkonzert ein.

Tourenbilder 3:

 

 
Edi macht Pause an der Jochstraße

das Joch ist bei über 30 Grad geschafft

 

 

 
mit dem MTB an der Lech entlang nach Hinterhornbach

an der schönen Lech entlang